Ein Muffin in der Hand, der mit einer Kerze und einem Bollerwagen verziert ist., © OTM | Verena Brandt

150 Jahre Kohlfahrt

Oldenburg gilt als die Wiege der Kohltour, auch Kohlfahrt genannt, in ihrer heutigen Form. Die Tradition gibt es schon lange und war ursprünglich was für Vereine und Stammtische. Inzwischen ziehen auch viele junge Großstädter an den Wochenenden raus aufs Land. Der Oldenburger Turnerbund (OTB) gilt als Erfinder. Die erste Kohlfahrt ist in der Vereinschronik des OTB vom 15. Januar 1871 dokumentiert.

Die Kohlfahrt ist dem Oldenburger das, was dem Rheinländer der Karneval ist: gesellschaftlicher und geselliger Höhepunkt des Jahres. Den Unterschied macht das Wie: In geselliger Runde ziehen fröhliche Menschen mit dem Bollerwagen durch die Kälte, um anschließend Grünkohl zu essen. Die Nordlichter brauchen keine riesigen Prunkwagen für einen Umzug, alles Nötige passt in einen Bollerwagen. Niemand muss am Rande stehen, zuschauen und auf Kamelle hoffen, in Oldenburg ziehen alle mit. Dass es dabei zugeht wie bei einem Kindergeburtstag, ist keine üble Nachrede. Es ist eine simple Tatsache, denn Boßeln ist nicht das einzige Spiel, das zu einer Kohltour gehört. Beliebt sind Kindergeburtstags-Klassiker, gerne werden auch sonderbare Wurf-Wettbewerbe ausgetragen. Hierbei geht es stets darum, eine festgesetzte Strecke mit möglichst wenigen Würfen zu überwinden. Womit, das ist Geschmackssache: Hier fliegen Besen, da Gummistiefel und dort Teebeutel übers platte Land. Eine Reihe von Landgasthäusern in der und um die Stadt sind oftmals das Ziel einer Kohlfahrt. Sie bieten während der Wintermonate sogenannte Gemeinschaftskohlfahrten mit Grünkohlessen und Live-Musik an. Die Kohlfahrt findet dann traditionell ihren Höhepunkt in der Bekanntgabe des Kohlkönigpaares. Das Königspaar erhält die Verpflichtung, die Kohlfahrt des nächsten Jahres zu organisieren.

Boßeln ist der Sport der Kohlfahrer., © OTM I Verena Brandt
15. Januar

Tag der Kohlfahrt

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Alte historische Kohlfahrtbilder werden in der Hand gehalten. , © OTM | Verena Brandt | Stadtmuseum Oldenburg
Januar 2021: #150jahrekohlfahrt

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Alte Briefe, Federkiel, Alte Fotos, © Pixabay, CC0
seit 1871

Geschichte der Kohlfahrt

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Kohlfahrt-Fakten 

Der Oldenburger Turnerbund (OTB) gilt als Erfinder der Kohlfahrten: Mehr als 140 solcher Fahrten sind in der Vereinschronik dokumentiert. Die erste Kohlfahrt ist in der Vereinschronik des OTB vom 15. Januar 1871 dokumentiert. Diese begann jedoch nicht als solche, sondern als Winterturnfahrt der Männerabteilung.

Verbreitungsgebiet der Kohlfahrten

Kohltouren finden nur im nordwestlichen Niedersachsen statt. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ostfriesland, über das Ammerland, in Teilen des Südoldenburger Landes sowie in der Region östlich von Bremen und Bremerhaven. Die Tradition und die Verläufe können regional unterschiedlich sein. Darüber hinaus kennt man keine Kohlfahrten. Konfessionelle Unterschiede und verwaltungsmäßige Zugehörigkeiten können hierbei eine Rolle spielen. Im Gegensatz zu der protestantischen Bevölkerung im Norden, sind die Bewohner des Emslandes oder des Osnabrücker Landes in der Mehrzahl Katholiken und fühlen sich eher an den westfälischen-münsterländischen Kulturraum angeschlossen. Für die Niederlande wirkte sich wahrscheinlich schon die Landesgrenze trennend aus. Bei den Inseln spielt die geographische Trennung vom Festland ebenfalls eine Rolle. (Quelle: Martin Westphal, Kohl- & Pinkelfahrten: Geschichte und Kultur einer Festzeit in Norddeutschland, 1998).

Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. So werden heutzutage auch in anderen Regionen und Städten in Deutschland Kohltouren von Weggezogenen organisiert, die diese Tradition in der neuen Heimat fortführen.   

Die Dramaturgie einer Kohlfahrt

Der Ablauf und die Organisation einer Kohlfahrt kann sich unterscheiden in Abhängigkeit der Gruppengröße, der Art der Gruppe, die Altersstruktur oder auch den Termin. Allen gemein ist der Bezug zu einer Gruppe, denn niemand will alleine auf Kohlfahrt gehen. Unternommen werden Betriebskohlfahren, Vereinskohlfahrten oder auch Kohltouren im Freundes- und Familienkreis. Die Teilnehmerzahl richtet sich nach der Stärke der Gruppe. Das kann von 100 bis 4 Personen sein. Die meisten Kohlfahrten finden am Wochenende statt und haben meistens zum Abschluss das Grünkohlessen, Musik und Tanz in einer Gaststätte im Programm. Dort tritt man dann auf andere Kohlfahrt-Cliquen. Kohlfahrten an Wochentagen oder an einem Sonntag schließen dagegen die Feier mit einer anderen Gruppe aus und man bleibt unter sicht. 

Das im Jahr zuvor gewählte Kohlkönigspaar ist für die Organisation zuständig. Hauptbestandteil der Kohlfahrt ist eine Wanderung zum gewählten Ausflugslokal. Dabei kann das Lokal soweit entfernt sein, dass ein Teil der Strecke mit Bus und Bahn zurückgelegt werden muss. Eine wichtige Vorausetzung für den erfolgreichen Verlauf einer Kohlfahrt ist außerdem die Ausrüstung. Das wichtigste Utensil ist ein Schnapsglas, mit einem Band versehen, das um den Hals hängt. Verpflegung in Form von Getränken und kleinen Snacks wird transportiert in Bollerwagen oder auch mal ausgedienten Kinderwagen. Die benötigten Mengen hängen von der Gruppenstärke ab. Die Wanderung hat vor allem kommunikative Elemente und ist ein Gemeinschaftserlebnis und kann bis zu 5 Stunden dauern. Währen der Wanderung werden häufig (hängt von der Gruppengröße ab) Spiele durchgeführt. zum Zweck der Bewegung, der Abwechslung und Unterhaltung. Dem Kohlkönigspaar sind bei der Auswahl der Spiele keinerlei Grenzen gesetzt. In der Gaststätte angekommen ist das gemeinsame Grünkohlessen der allgemeine Höhepunkt. Gruppeninterner Höhepunkt ist die Wahl des Kohlkönigs und der Kohlkönigin. Für die Bestimmung hat jede Gruppe ihre eigenen Rituale. 

Eine andere Art der Kohlfahrt

Wie aus alledem schließlich das Kernstück politischer Lobby-Arbeit Oldenburgs in Berlin wurde, darüber ließe sich trefflich spekulieren. Seit 1956 lädt die Stadt Oldenburg in der Bundeshauptstadt alljährlich zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“, und die politische Prominenz nimmt gerne teil. Mehr noch: Der Grünkohl wird in Oldenburg gekocht und nach Berlin gebracht mit einer großen Delegation Oldenburgerinnen und Oldenburger. Außerdem findet sich jedes Jahr ein Spitzenpolitiker, der sich zum Oldenburger Kohlkönig küren lässt.

Zur Kulturgeschichte des Grünkohlmahls

Das Darlegen kulinarischer Gepflogenheiten in Nordwestdeutschland zu früheren Zeiten ist angewiesen auf schriftliche Quellen, in denen Schilderungen einen Einblick in die Kochkünste vergangener Zeiten gewähren. Grünkohl ist ein Kulturgut, das als Nahrungsmittel eine gewisse Kurzlebigkeit besitzt und nicht wie Objekte aufbewahrt werden kann.

Urkundlich nachzuweisen ist eine Kohlmahlzeit in Oldenburg erstmals 1586. Allerdings hat es dem damaligen Gast, dem Rechtsgelehrten Justus Lipsius aus Brüssel, offenbar nicht geschmeckt. Er beklagt sich in einem Brief an seinen Freund über das ungenießbare Essen, das ihm in Oldenburg vorgesetzt wurde. 

So heißt es in einem Brief, den er anlässlich einer Reise durch das Oldenburger Land 1586, an seine Heimatstadt über Tischkulturen schreibt: “(…) Und die Speisen – kaum menschlich sind sie. (…) Nun denke Dir die Kosten in den hiesigen Wirhtshäusern! Was sag` ich, Wirthshäuser? Ställe sind es. (…) Da sitzt man am Feuer, trinkt, was sie trinken, und bey jedem Trunk reicht man sich feyerlich die Hand. Indeß wird der Tisch gedeckt. (…) Dicker Speck und roh dazu. O mein armer Magen! (…) Doch da kommt der ersehnte zweite Gang, die Hauptschüssel! Eine ungeheure Kumme voll braunen Kohls! (…) Aber grade das halten sie für den Ausbund von Leckerey. So ist`s auf dem Lande, nicht viel besser in den Städten.“ Braunkohl wird damit erklärt, dass der Kohl beim langen Kochen seine grüne Farbe ins bräunliche wechselt.

Weiter ist nachlesbar, dass der frührere Herrscher Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755 - 1829) im Winter Landpartien unternahm und sich bei reichen Bauern zum Kohlessen ansagte. 

Das Grünkohl, das norddeutsche Gemüse schlechthin war, ergibt sich außerdem aus diversen Reisebeschreibungen, die vermehrt Ende des 18. Jahrhunderts verfasst wurden. Die Vorzüge liegen auf der Hand: In den früher kargen, bäuerlich geprägten und eher "armen" Regionen in Norddeutschland wurde der Mangel durch eine verstärkte Gemüsekost ausgeglichen. Grünkohl ist eine genügsame Pflanze, die selbst unter ungünstigen Witterungs- und Bodenverhältnissen wächst. Bestimmte Sorten können zudem auch als Viehfutter verwendet werden. Da die Ernte nach dem ersten Frost den ganzen Winter lang möglich ist, entfällt die Vorratshaltung im Winter. Die langen und strengen Winter verlangen kräftige Kost. So wurde Grünkohl als Hauptmahlzeit oftmals an mehreren Tagen gegessen, da er im Vergleich zu anderen Kohlarten einen hohen Nährwert hat und viele Vitamine besitzt. So verwundert es auch nicht, dass bereits im 18. Jahrhundert kleine "Kohlgärten" entstanden, in denen Grünkohl für den Eigenbedarf gezogen wurde.

(Quellen: Van`n Gröönkohl, Sadt Oldenburg, 1981 | Martin Westphal, Kohl- & Pinkelfahrten: Geschichte und Kultur einer Festzeit in Norddeutschland, 1998).

Die Ehre, eine Kohlkönigin und ein Kohlkönig zu sein

Die Krone schmückt, die Krone drückt: Wer im vergangenen Jahr die Würde des Kohlkönigs oder der Kohlkönigin errang, trägt in diesem Jahr die Bürde, die neue Kohlfahrt auszurichten. Gesellig und lustig soll sie sein, am Ende solls gut schmecken und ein neues Königspaar muss her. Es gibt viele Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehören:

  • den Termin festlegen
  • die passende Lokalität finden und reservieren
  • die angemessene Einladung formulieren
  • die Strecke für die Kohlfahrt planen
  • die Auswahl der Spiele
  • die Wahl des nächsten Königspaares vorbereiten

Die Bestückung des Bollewagens ist Sache des Kohlkönigspaares. Als Anregung gibt es hier eine Einkaufsliste zum Download.

Downloads

"Einkaufsliste Bollerwagen (PDF)" downloaden

Service für Kohlkönigspaare

Erfülle Deine Aufgaben mit unseren Tipps und Hilfestellungen ganz leicht.

Ein paar Klicks nur – und du findest die passende Gaststätte, die beste Tour dorthin und eine Auswahl bewährter Spiele. 

Zu bestimmten Tagen öffnen unsere Partner ihre Türen für das gemeine Kohlvolk., © OTM

Termine

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Oldenburger Grünkohl wird klassisch mit Pinkel, Kochwurst, Kasseler und Kartoffeln serviert, © OTM I Torsten von Reeken

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Boßeln ist der Sport der Kohlfahrer., © OTM I Verena Brandt

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Grünkohlhantel, © OTM/ Verena Brandt

Einladung

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Eine Gruppe bei einem Kohlfahrtspiel mit einer Boßelkugel., © OTM | Thorsten von Reeken

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Die Wahl des Königspaares ist der krönende Abschluss einer Kohlfahrt., © OTM I Verena Brandt

Königswahl

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Dieser Bollerwagen der Kohltourhauptstadt kann in der Oldenburg-Info geliehen werden., © OTM/ Verena Brandt

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Grünkohl-Angebote

Grünkohl ist das kulinarische Wahrzeichen Oldenburgs!

Unser Lieblingsgemüse hat viel zu bieten. Hier gibt es Souvenirs und Erlebnisse für Grünkohl-Fans und alle, die es werden wollen!

Grünkohlpflanzendeko mit Kochlöffel, © OTM/ Sascha Stüber

Erlebnisse

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Grünkohlshop in der Oldenburg-Info im Lappan., © OTM/ Sascha Stüber

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Grünkohl Zuhause 2020

In Oldenburg ist im Winter 2020 ein einmaliger Grünkohl Clip entstanden.

Trotz Corona-Pandemie schlägt dieser Clip als Gemeinschaftsprodukt kulinarisch einen Bogen zwischen allen Oldenburgerinnen und Oldenburgern.

Teaserbild Video Hallo Grünkohl Zuhause

Hallo Grünkohl Zuhause

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