Grünkohlforschung, © OTM/ Verena Brandt

Grünkohlforschung

In Oldenburg betreibt der Botanische Garten der Carl von Ossietzky Universtität Oldenburg ein einzigartiges Zucht- und Forschungsprojekt: die Züchtung einer neuen Grünkohlsorte.

Eine Sorte - alle Vorzüge

Die jahrelange Grundlagen-Forschung in Sachen Grünkohl hat sich gelohnt, die Fakten liegen auf dem Tisch: Brassica oleracea var. sabellica zählt zu den gesündesten und schmackhaftesten Nahrungsmitteln überhaupt. Allerdings sind die besten Eigenschaften der leckeren Pflanze auf ihre zahlreichen Varietäten verteilt, das heißt: Es gibt nicht die eine Sorte, die wirklich alle Vorzüge in sich vereint. Das soll sich ändern. Die Forscher der Uni Oldenburg arbeiten an einer Kreuzung aus regionalen und internationalen Sorten, um den Grünkohl der Zukunft zu züchten: Brassica oleracea cv. oldenburgia, die Oldenburger Palme.

Der Grünkohlgarten der Uni Oldenburg

Sie stehen in Reih‘ und Glied in einem umzäunten Beet, das eher nach einem traditionellen Kleingarten aussieht als nach dem Schauplatz eines hoch ambitionierten Forschungsprojekts: große und kleine, schlank aufrechte und buschig ausladende, sattgrüne und rötliche Grünkohlpflanzen. Was es mit dieser Sammlung im nicht öffentlichen Teil des Botanischen Gartens auf sich hat erklärt Christoph Hahn, Doktorand der AG Biodiversität und Evolution der Pflanzen unter Leitung von Prof. Dr. Dirk C. Albach, Direktor des Botanischen Gartens Oldenburg. „Es gibt rund 150 unterschiedliche Grünkohl-Sorten, die sich durch Eigenschaften wie Geschmack, Inhaltsstoffe, Blattfarbe, Wuchs, Krausigkeit oder Ertrag zum Teil deutlich unterscheiden.“

Grünkohl: Milde Italiener und herbe Amis

So seien italienische Grünkohlsorten wie Palmizio eher mild, während der amerikanische Kale und auch einige alte norddeutsche Sorten deutlich herber schmecken. Für deren stark kohliges Aroma sorgen Senföle. „Auf diese Glucosinolate legen wir bei unserer Arbeit ein besonderes Augenmerk“, so Hahn. „Denn diese sekundären Pflanzenstoffe prägen nicht nur den Geschmack mit, sie entfalten auch eine positive Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Sie können sogar krebsvorbeugend wirken.“

Grünkohl: Entweder gesund oder lecker

Im grünen, braunen, manchmal auch rötlichen Kohl steckt aber noch viel mehr. Mehr Vitamin C als in Zitronen zum Beispiel, mehr Beta-Carotin als in fast allen anderen Lebensmitteln und jede Menge Calcium und Vitamin K, die sich unter anderem günstig auf eine höhere Knochendichte auswirken. „Leider jedoch zählen die besonders gesunden Grünkohlsorten derzeit nicht immer zu den leckersten“, erklärt Hahn. „Wobei allerdings die traditionellen norddeutschen Gewächse besonders ausgewogen sind in Bezug auf Wohlgeschmack und gesundheitsfördernde Wirkung.“ Darauf lasse sich aufbauen.

„Winnetou“ ist der Häuptling unter den Kohlsorten

Der fast unangefochtene Favorit auf norddeutschen Feldern und Tellern heißt seit vielen Jahren „Winnetou“. Mit seinem mild-gefälligen Aroma, mit seinem robusten Wuchs und dem verlässlich guten Ertrag verdrängte er nach und nach andere Grünkohlsorten, die zum Beispiel weniger wiederstandfähig gegen Schädlinge waren. Dass die alte Sorten-Vielfalt nicht vollends verschwand, verdankt sich vor allem der Sammelleidenschaft des Saatgutzüchters Reinhard Lühring. Im Laufe der Jahre stöberte er in kleinen Gärten und an alten Höfen vor den Toren Oldenburgs zahlreiche regionale und lokale Sorten auf, rettete sie vor dem Aussterben – und vergrößerte so auch die Chance darauf, den neuen Super-Grünkohl zu züchten.

Lecker und gesund: die Oldenburger Palme

Viele der alten Sorten, die sich in den Kleingartenbeeten des Botanischen Gartens wie zu Hause fühlen, bringen Eigenschaften mit, die wertvoll für den neuen Super-Grünkohl sein können. Die Oldenburger Palme, soviel sei jetzt schon verraten, wird höchsten Kohl-Genuss, überbordende Wuchsfreude und eine hochwertige Nährstoffkombination in sich vereinen. Und sie wird am allerbesten nach einer winterlichen Kohltour und zu einer schönen Pinkelwurst schmecken.

Blühender Grünkohl im Botanischen Garten Oldenburg

Nur sehr wenige Gemüsegärtner haben heute noch die Geduld, ihre Pflanzen blühen zu lassen, um dann das Saatgut zu ernten. Denn insbesondere beim Kohl ist dies mit hohem Aufwand verbunden: Pflanzen, an denen Samen reifen sollen, müssen mehrere Hundert Meter entfernt von jeder anderen blühenden Kohlpflanze stehen, da sie sich ansonsten gegenseitig bestäuben würden. Das Ergebnis wäre eine Kreuzung. Sortentypische Eigenschaften wie z.B. guter Geschmack, äußeres Erscheinungsbild oder andere Eigenschaften wären nicht mehr vorhanden. Zudem dauert es zwei Jahre, bis Grünkohlpflanzen endlich im Frühsommer ihre Knospen öffnen. Dann allerdings sprießen lange Stände voller kleiner, sonnengelber Kreuzblüten aus dem Kohl, die bei Bienen hoch im Kurs stehen. Eines der Schaubeete im Botanischen Garten von Oldenburg ermöglicht es Besuchern, diese seltene Blütenpracht zu erleben.

Sie wechseln mit der Suche zur oldenburg-tourismus.de
Sie wechseln mit der Suche zur oldenburg-tourismus.de