Sonnenaufgang über einem Grünkohlfeld im Oldenburger Land., © Verena Brandt

Lektion 4: Plattdüütsch

Wat is Platt?

Plattdeutsch ist dasselbe wie Niederdeutsch. Und das ist das Gegenteil von Hochdeutsch. So weit, so gut.

Durch die Völkerwanderung breiteten sich die Sachsen – und damit auch ihre Sprache, das Altsächsisch – nach Süden, Südwesten und nach England aus. Sie kamen bis nach Niedersachsen, Schleswig-Holstein und nach Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Westfalen und in Brandenburg hinterließen sie ihre Spuren. Überall dort wird heute Platt – genau genommen Neuniederdeutsch – gesprochen. Und weil Platt nicht gleich platt ist, hier die Sprachgebiete in Norddeutschland. Und die gliedern sich wieder in Teildialekte und die wiederum auch und die wiederum auch …

Die ersten etwas längeren niederdeutschen Sprachzeugnisse stammen aus dem neunten Jahrhundert und haben einen religiösen Inhalt. Das in dieser frühen Phase gesprochene Niederdeutsch wird als Altniederdeutsch oder Altsächsisch bezeichnet.

Kohltiviertes Mittelniederdeutsch

Seine größte Bedeutung und Verbreitung erlangte das Mittelniederdeutsche dann im 14. bis 16. Jahrhundert. Es wurde zur Handelssprache Nordeuropas, zur Sprache des Hansebundes. Der reichte von den Niederlanden über Norddeutschland bis zum Baltikum und nach Skandinavien im Norden.

Kohllektives Hochdeutsch

Mit dem Niedergang der Hanse im 17. Jahrhundert setzte sich in ganz Deutschland das Hochdeutsche langsam durch und wurde als hochoffizielle Schriftsprache eingeführt. In der Kirche, der Schule, der Politik, Literatur und Wissenschaft kommunizierte man auf Hochdeutsch, was den Norddeutschen aber nicht daran hinderte, weiter platt zu snacken – das war doch viel heimeliger! Aber das gemeinsame, öffentliche Hochdeutsch vereinfachte die Kommunikation in der Industrialisierung ungemein und erleichterte die Zusammenarbeit über die Regionen hinweg. Zuerst hörten die Hochkohlgeborenen auf, Plattdeutsch zu sprechen, dann zog eine gesellschaftliche Schicht nach der anderen nach. Plattdeutsch galt als unkohl.
Platt erobert die Welt

Kohlmunikation im Oldenburger Land

Der Norden ist protestantisch und spricht Nord-Oldenburgisch, der Süden katholisch und spricht Süd-Oldenburgisch, dazwischen liegt ein Heidegürtel, der mindestens so dick ist wie die Mentalitätsunterschiede. Gar nicht so einfach.
In der Kohltourhauptstadt Oldenburg spricht man Nord-Oldenburgisch. Und das hat historische Gründe.

Im Oldenburger Land spricht man Nord- und Südoldenburgisch, teilweise auch Jeverländer Platt. Es gibt zig Unterdialekte. So hat fast jede Gemeinde ihre Geheimsprache. Beim Familientreffen kann das zum Problem werden – aber wenn Großmutter und Schwager aneinander vorbeireden, muss das ja nicht immer an der Sprache liegen, meinen wir von der Grünkohl-Akademie Oldenburg. Manchmal reicht es, wenn der Enkel kohlmetscht. ,Kaamt mit un kiekt ’em, wat bi us Plattdüütschen so los is.‘

Ihnen ist schleierhaft, liebe Studierende der Grünkohl-Akademie Oldenburg, wer jetzt was wie sagt? Seien Sie unbesorgt, den Wissenschaftlern geht es ähnlich – und jede Universität hat da so ihre Theorien.

Plattes Deutschland

1999 unterzeichnete Deutschland die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Seitdem stehen die Minderheitensprachen der Friesen, Sorben, Dänen sowie der Sinti und Roma sowie die Regionalsprache Niederdeutsch unter dem Schutz der Charta. So heißt die Niedersächsische Verfassung eben ab jetzt Neddersassisch Verfaten und liegt komplett plattdeutsch vor.

Plattdeutsch-Kohlonien

Platt sprechende Menschen sind weltoffen, das zeigt, wie viele von Ihnen in den vergangenen Jahrhunderten ausgewandert sind. So kamen jüngst 40 Platt sprechende Amerikaner zur Plattdüütsch-Conference Aurich, um sich dort mit Tipps zu versorgen, wie sie ihren Kindern zwischen Burgerrestaurant und Blockbuster ein paar Brocken Platt beibringen können. Man gab sich multikohlturell und wechselte manchmal im selben Satz – von Cowboy-Amerikanisch zu Plattdüütsch. In „Little Oldenburg“ in Nebraska zelebriert man immer noch den ostfriesischen Nachmittagstee. Nachhilfe von der Grünkohl-Akademie Oldenburg braucht dagegen das „Plattduetsche Parkrestaurant“ in New York, das auf skandalöse Weise mit bayrischer Tracht und Biergarten wirbt! Wer Lust auf Plattsnacker aus aller Welt hat, der schaue mal beim NDR Fernsehen rein, dort stellt Yared Dibaba regelmäßig kuriose Plattitüten vor. Die Platt-Seiten des Senders sind eine wahre Fundgrube zum Thema – von geschichtlichen Hintergründen bis zu Podcasts, Radio- und Fernsehsendungen auf und über Platt. So lernen Sie am schnellsten, liebe Studierende der Grünkohl-Akademie Oldenburg.

Platt im Alltag

Platte See: Aus der Seemannssprache ist Plattdeutsch gar nicht mehr wegzudenken. Zum Beispiel kommt das Achterdeck von „achter“, niederdeutsch „hinter“. Bug, Heck, Kiel, Lotse, Planke, Reling, alles Niederdeutsch. Und auch in der Umgangssprache, nicht nur im Norden, mischt platt mit.

Kohlputer

Es gibt einige Software auf Plattdeutsch. Auch Desktop-Oberflächen, etwa von Linux. Das Platt-Brennprogramm „Brann-Stuuv 7“ (Seglerlatein) ermuntert mit dem Slogan „Brann di een!“, sich die Lieblingsmusik für die nächste Kohltour auf CD zusammenzustellen.

Plattdüütsch up Wark

Die niederdeutsche Sprache wird als zielsicher, ehrlich und bodenständig wahrgenommen, auch in der Ökonomie. Dieses positive Image kann die Wirtschaft nutzen. Das Faltblatt des Verbands Oldenburgische Landschaft zum Thema „Plattdüütsch up Wark – een goode Partner“ gibt Hinweise dazu, wie man mit Niederdeutsch den Geschäftspartner um den Finger wickelt. Wir von der Grünkohl-Akademie Oldenburg unterstützen diese Initiative.

Plattart

Die letzte Plattart, ein Kulturfestival in der Region Oldenburg, hat gezeigt, was alles so auf Platt geht. Allein die Programmtitel sind ein Genuss: Wi maakt de Stadt platt (Stadtführung), PLATTattack (Performance), PLATTgold (Gala), Gospel up platt (Gottesdienst), Oot kwisien van´t platte land (Kochkurs).

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