Grünkohl mit der botanischen Bezeichnung Brassica oleracea L. gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse und er gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Im Botanischen Garten Oldenburg erforscht die Carl von Ossietzky Universität das Wintergemüse, das die Menschen seit eh und je als gesunde Kost schätzen. In seinen schmackhaften Blättern könnte jedoch noch viel mehr stecken als Vitamine und Mineralstoffe: Lutein zur Förderung der Sehkraft, Inhaltsstoffe zur Hemmung von Krebszellbildungen – es steckt viel Gutes in unserem Traditionsträger. Mittlerweile gibt es über 50 Varietäten – und jeder Grünkohl ist anders.

Wie sehen eigentlich Grünkohlblüten aus?

Nur sehr wenige Gemüsegärtner haben heute noch die Geduld, ihre Pflanzen blühen zu lassen, um dann das Saatgut zu ernten. Denn insbesondere beim Kohl ist dies mit hohem Aufwand verbunden: Pflanzen, an denen Samen reifen sollen, müssen mehrere Hundert Meter entfernt von jeder anderen blühenden Kohlpflanze stehen, da sie sich ansonsten gegenseitig bestäuben würden. Das Ergebnis wäre eine Kreuzung. Sortentypische Eigenschaften wie z.B. guter Geschmack, äußeres Erscheinungsbild oder andere Eigenschaften wären nicht mehr vorhanden. Zudem dauert es zwei Jahre, bis Grünkohlpflanzen endlich im Frühsommer ihre Knospen öffnen. Dann allerdings sprießen lange Stände voller kleiner, sonnengelber Kreuzblüten aus dem Kohl, die bei Bienen hoch im Kurs stehen. Eines der Schaubeete im Botanischen Garten von Oldenburg ermöglicht es Besuchern, diese seltene Blütenpracht zu erleben.

Und obwohl die Wildform des Grünkohls möglicherweise aus dem Mittelmeerraum stammt, gehört er selbstverständlich dennoch hierher. Jene Kohlpflanzen, die in buchsgesäumtem Schau-Beet gedeihen, stellen nur einen kleinen Teil der gesamten Bestände dar. Denn der Botanische Garten hat neben dem öffentlichen und kostenlos zugänglichen Park noch einen zweiten Standort, an dem zu Forschungszwecken Pflanzenzucht betrieben wird.

Dort steht der Grünkohl sehr viel stärker im Fokus, denn an der Carl von Ossietzky Universität fahndet man nach heilkräftigen Stoffen in der Pflanze. Dabei experimentiert man auch mit historischen Kohl-Sorten, die heute kaum noch angebaut werden und deshalb vom Aussterben bedroht sind. Rund 50 Kohlsorten hat Christoph Hahn im Botanischen Garten in Oldenburg am Küpkersweg gepflanzt. Allerdings nicht, um sie zu verzehren sondern zu erforschen. Der 26-Jährige ist Biologe, hat seine Bachelor- und Masterarbeit bereits der Grünkohlpflanze gewidmet und will im Rahmen seiner Doktorarbeit maßgeblich zur Züchtung der Sorte „Brassica oleracea cv. Oldenburgia“ oder einfacher ausgedrückt „Oldenburger Palme“ beitragen. Er erforscht z.B. in welcher Konzentration wertvolle Inhaltsstoffe in den Pflanzen enthalten sind.

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Hintergrundinformationen

Die Ansprüche von Grünkohl an Klima und Boden sind weitaus geringer, als bei den anderen Kohlarten. Auch verträgt er viel mehr Frost als diese: sortenabhängig minus 10 bis minus 15 Grad Celsius. Das ist auch der Grund, dass in normalen Wintern bis in den März hinein geerntet werden kann. Tiefe Temperaturen bewirken die Umwandlung von Stärke in Zucker, der dem Kohl seinen begehrten Geschmack verleiht. Grünkohl ist ein schnellwüchsiger Blattkohl, der im ersten Jahr einen Spross mit einer oben offenen Blattrosette bildet. Erst im zweiten Jahr blüht er; er ist also zweijährig. Blattfarbe und Kräuselung variieren sortenabhängig. Je nach Länge des Strunkes (Spross) unterscheidet man niedrige, halb hohe und hohe Sorten. 

Je nach Region wird Grünkohl auch als Braun-, Blatt-, Pflück-, Kraus- oder Winterkohl bezeichnet. Im Oldenburger Land heißt er auch liebevoll "Oldenburger Palme", um herum Bremen "Braunkohl" (bedingt durch die früher angebauten Sorten, die sich während des Kochens bräunlich verfärbten).

Die Blätter des Grünkohls sind reich an Ballaststoffen und Mineralstoffen wie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen, sowie an einer regelrechten Supermenge der Vitamine A, C, E, K und B2. Kaum ein anders Gemüse kann beim Vitamin C- und E-Gehalt mithalten. Energie liefert er in Form von Eiweiß und Kohlehydraten. Auch in dieser Kategorie hat er den Spitzenplatz aller Kohlarten inne. Zudem enthält der Grünkohl auch einen beachtlichen Anteil an Folsäure, die zur Blutbildung und Versorgung der Körperzellen mit Sauerstoff benötigt wird.