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Tradition der Kohltouren


Als Erfinder der heutigen Kohltouren gilt der Oldenburger Turnerbund, gegründet 1859. Seitdem sind über 1.000 Kohlfahrten in der Vereinschronik dokumentiert.

Grünkohl ist nicht nur eine Mahlzeit – nein, zum Grünkohlessen gehört traditionell auch immer der Brauch der Kohlfahrten (neudeutsch: Kohltouren). Hierbei verbindet sich die Köstlichkeit des Essens mit der Geselligkeit. Jedes Jahr wieder geraten hier die Menschen zur Winterzeit in eine Euphorie aus Lust am Wandern durch die frostige Landschaft und dem anschließenden Essen des grünen Kohls.

So neu, wie häufig vermutet, ist der Brauch der Kohlfahrten allerdings nicht: Etwa um 1800 herum begannen die betuchteren Herrschaften der Stadt Oldenburg damit, nach einsetzendem Frost und dem ersten Schneefall, wenn die Acker- und Gartenarbeit kaum noch möglich war, ihre Schlitten anzuspannen und aufs Land zu fahren. Vom Herzog Peter Friedrich Ludwig wird sogar berichtet, dass er bei solchen Landtouren allen voran fuhr. Man kehrte bei reichen Bauern ein und unterhielt sich „genüsslich beim langen Kohl“. Diese Kohlpartien der Honoratioren verloren mit Ende des 19. Jahrhunderts ihre Reiz. Dafür wurden sie nun zum Vergnügen des normalen Volkes.

Der Oldenburger Turnerbund (OTB) darf sich wohl zu Recht als der Erfinder der berühmten Oldenburger Kohltouren rühmen. Die erste Kohltour begann nicht als Kohlfahrt, sondern als ganz normale Winter-Turnfahrt der Männerabteilung und war Ausdruck der im Oldenburger Turnerbund früh gepflegten Wanderlust. Die Lust, das Wandern mit einem deftigen Essen zu verbinden, entstand dabei eher durch Zufall. In der Gaststätte angekommen, wollten die Mitglieder sich durch eine warme Suppe wärmen. Der Wirt hatte aber noch Reste eines Kohlessens. Dieses schmeckte den Turnerleuten so gut, dass sie beschlossen, fortan immer nur Kohl zu essen. Hinzufügend sei gesagt, dass sich die genauen Details dieser Geschichte bis heute in verschiedensten Versionen vorliegen, sie aber trotzdem allesamt den OTB als Erfinder der Kohltouren benennen.

In den Jahren des ersten Weltkrieges unterblieben die Kohlfahrten, zwischen den Kriegsjahren lebte die Kohlfahrt dann nach und nach wieder auf, und fielen dann mit Beginn des zweiten Weltkrieges wieder ganz aus. Schließlich begann man ab 1950 wieder mit dieser außergewöhnlichen Tradition.

Das Grünkohlessen findet dann traditionell seinen Höhepunkt in der Bekanntgabe des Kohlkönigs oder des Kohlkönigpaares. Für die Vergabe der Königswürde werden verschiedene Methoden angewandt. Entweder werden die Anzahl der Portionen jedes Teilnehmers ausgewertet, es wird das Gewicht der Teilnehmer vor und nach dem Essen bestimmt oder es werden die Ergebnisse der Spiele auf der Wanderschaft nach geheimen Kriterien ausgewertet. Kohlkönig wird vereinzelt auch derjenige, der als letztes den Tisch verlässt. Als ein Zeichen der Königswürde werden Ketten mit den Namen der ehemaligen Kohlkönige oder ein Schweinekieferknochen am Band mit einer entsprechenden Inschrift verliehen. Der König bzw. das Königspaar erhält die Verpflichtung, das Grünkohlessen bzw. die Kohltour des nächsten Jahres zu organisieren.


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