Oldenburg im späteren Mittelalter. Besonders bemerkenswert sind die Grünkohl-Kulturen vor den Stadtmauern!

Ist der Grünkohl wirklich vom Mittelmeer in die norddeutschen Gefilde gelangt? Oder kommt er aus Kohlumbien, gar aus Kohlorado?

Geschichtlich gesehen ist die Herkunft des Grünkohls äußerst bedeutend und vor allem eins – nämlich sehr alt und reicht bis in die Zeit des alten Griechenlands zurück. Der Mythologie nach, ist es den Göttern des Olymps zu verdanken, dass wir alljährlich in der kalten Jahreszeit in den Genuss des grünen Gemüses kommen.

Einer griechischen Sage nach heißt es, Prinz Lykurgos habe sich in dunkler Urzeit mit Dionysos angelegt. Der Gott war so erbost, dass er den armen Lykurgos blenden und zerreißen ließ. Aus den Tränen des Lykurgos sprossen die ersten Kohlpflanzen. In der Antike war der Kohl daher ein weit verbreitetes Mahl. Die Griechen aßen ihn in rauen Mengen, weil er preiswert und zudem noch sehr nahrhaft war.

Der Grünkohl selbst, hatte schon in der frühen griechischen und römischen Medizin seinen Platz. Sogar die Philosophen machten sich ihre Gedanken über ihn. Bei Theophrast, einem Schüler des Aristoteles, wird der Grünkohl erstmals ausdrücklich erwähnt. Und in der systematischen Pflanzenkunde erhält der Kohl bald den klingenden Namen „Brassica oleracea acephala“.

Der Römer Cato war vom Kohl so angetan, dass er ein Loblied darauf sang. Der Kohl wurde schon damals systematisch angebaut. Besonders der Grünkohl, zählte in der römischen Küche zu den Delikatessen. Wer im römischen Reich über große Mengen Kohl verfügen konnte, galt als reicher Mann. Die Kohlvielfalt im alten Rom soll so enorm gewesen sein, dass Züchter untereinander wetteiferten, wer die größten, prachtvollsten und farbenfrohesten Kohlsorten besaß.

Was nicht überliefert ist, zu welchem Zeitpunkt unsere direkten Vorfahren, die Germanen, den Grünkohl bereits kannten. Darum ist auch nicht genau festzustellen, wann und wo der Grünkohl zum ersten Mal in unseren nördlichen Gebieten aufgetaucht ist. Man ist der Meinung, der Grünkohl sei aus der Mittelmeergegend in die norddeutschen Gefilde gelangt.

Wissenschaftler sind dagegen überzeugt, dass der Grünkohl vom Wilden Meerkohl abstammt. Dieser ist eine Wildform unseres kultivierten Kohls, der in den nördlichen Küstenregionen von Dänemark bis hin zum Atlantik zu Hause ist. Auch in manchen mittelalterlichen Klosteraufzeichnungen findet man etwas über den Anbau des Grünkohls, denn in den mittelalterlichen Städten gab es große Kohlmärkte.

In den nördlichen Gebieten entfaltete sich der heutige Grünkohl geradezu und wurde besonders in der sonst eher nahrungsarmen Winterzeit zu einem wichtigen Gemüse. Im Anbau war der Kohl sehr pflegearm und gut geeignet für den Zweitanbau. Von Nordeuropa aus nahmen Auswanderer den Kohlanbau mit in den Südwesten der Vereinigten Staaten.

In Oldeburg und Umzu war und ist der Grünkohl ist das Gemüse schlechthin. In älteren Oldenburger Urkunden, selbst in der Stadtrechtsurkunde von 1345, vor allem aber in Kaufkontrakten, gibt es immer wieder Hinweise auf den Kohlhof und Kohlgarten. Mit diesem ist stets der Gemüsegarten gemeint, weil der Kohl das wichtigste Gemüse war. So wichtig der Kohlgarten für die Bürger Oldenburgs war, so wichtig war der Kohl als tägliche Nahrung für den Normalverbraucher. Dreimal Kohl in der Woche war Oldenburger Gewohnheit. Nach einer Ordnung im Jahre 1741 bekamen auch die Armen im Armenhaus dreimal in der Woche Kohl – sonntags, dienstags und donnerstags.

Kohl war aber nicht nur ein Essen für Arme und Normalbürger. Wenn im Winter der Frost länger anhielt, verabredeten sich die Honoratioren der Stadt zu einer Schlittenfahrt aufs Land, um anschließend bei einem wohlhabenden Landmann einzukehren.